Blockierte Wege, tödliche Folgen
Am 12. März 2025 veränderte sich die Lebenswelt der Kaiserpinguine (Aptenodytes forsteri) auf der antarktischen Coulman Island drastisch. Das nahegelegene Nansen-Schelfeis kalbte und entließ einen gigantischen Eisberg in das Südpolarmeer. Das Eisgebilde – 14 Kilometer lang und vier Kilometer breit – strandete nur wenige Wochen später direkt vor der Insel.
Für die dort brütenden Pinguine wurde die massive Eiswand zum unüberwindbaren Hindernis. Wie ein Forschungsteam um Jinku Park vom Koreanischen Polarforschungsinstitut feststellte, blockierte der Koloss den direkten Zugang zu den lebenswichtigen Nahrungsgründen.
Einbruch beim Bruterfolg
Kaiserpinguine sind während ihrer Brutsaison zwischen Juni und Januar auf zwei Faktoren angewiesen: stabiles Meereis und einen freien Zugang zum offenen Ozean. Bis zum Jahr 2025 bot Coulman Island diese Voraussetzungen verlässlich.
Bei Zählungen im November und Dezember 2025 offenbarten sich jedoch katastrophale Zahlen. Die Forscher zählten nur noch knapp 6600 Jungtiere. Dies entspricht einem Einbruch von 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr sowie zum Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2024.
Energieverlust durch längere Routen
Mithilfe von Satellitenbildern und Bewegungsdaten erstellten die Wissenschaftler ein Modell, um die Auswirkungen des Hindernisses zu berechnen. Der Eisberg zwang die Alttiere auf einen Umweg, der die Strecke zwischen Nistplatz und Meer von durchschnittlich 9,3 auf 14,9 Kilometer verlängerte.

Die Pinguine mussten ihre ohnehin knappen Energiereserven durch diese längeren Wege massiv aufzehren. Die Folge: Die Alttiere konnten ihren Nachwuchs nicht mehr ausreichend versorgen, was zu dem hohen Sterblichkeitsrate bei den Küken führte.
Klimawandel verschärft die Bedrohung
Im Laufe des Südsommers 2026 löste sich das Eis, und der Eisberg trieb in das offene Meer ab. Während Kolonien mit lokalen Katastrophen oft flexibel umgehen können, stellt der langfristige Klimawandel die Spezies vor grundlegende Probleme. Instabiles Meereis bricht zunehmend früher auf, wodurch Jungvögel vor der Mauser ertrinken oder erfrieren.
Seit 2009 ist die Gesamtpopulation um mindestens zehn Prozent gesunken. Der aktuelle Bestand wird auf etwa 180 000 Tiere geschätzt. Seit 2026 wird die Art offiziell als „stark bedroht“ eingestuft.
