Ein Eierkarton und eine Papiertüte im Baum sollen Wespen abschrecken.
In deutschen Gärten kursiert ein vermeintlicher Geheimtipp: Wer Wespen fernhalten will, hängt einfach leere Eierkartons oder zerknüllte Papiertüten in die Bäume. Das Ziel ist es, den Tieren ein fremdes Wespennest vorzutäuschen, um sie zur Ansiedlung anderswo zu bewegen. Doch funktioniert das wirklich?
Warum die Eierkarton-Methode versagt
Die Theorie ist simpel: Wespen meiden die Nähe konkurrierender Nester. Doch laut Sonja Dölfel vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) ist dieser Trick wirkungslos. Die für den Menschen lästigen Arten – die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe – nisten ohnehin versteckt.
Ihre Nester befinden sich meist in dunklen Hohlräumen wie Erdlöchern oder in Baumhöhlen. Da sie ihre Nester nicht frei in Baumkronen bauen, ignorieren sie Attrappen, die dort hängen, schlichtweg. Ein Eierkarton in der Krone täuscht daher kein natürliches Nest vor, das die Tiere meiden würden.
Wirksame Alternativen zur Wespenabwehr
Wer Wespen wirklich stören will, sollte auf physikalische Methoden setzen, anstatt zu basteln. Hier sind die gängigen Empfehlungen:
- Wasserzerstäuber: Ein feiner Sprühnebel mit klarem Wasser (ohne Zusätze wie Spülmittel!) imitiert für Wespen einen Regenschauer. Die Tiere ziehen sich daraufhin instinktiv in ihr Nest zurück.
- Ablenkfütterung: Platzieren Sie einen Teller mit reifem Obst oder Kuchen in einiger Entfernung vom Esstisch. Das lockt die Tiere vom eigenen Essen weg.
- Vorbeugung: Vermeiden Sie starkes Parfum, grelle Kleidung und offene süße Getränke, um die Insekten nicht unnötig anzulocken.
Gesetzliche Lage beim Wespennest
Sollte sich tatsächlich ein Nest direkt am Haus befinden, ist Vorsicht geboten. Wespen stehen unter dem Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes. Es ist streng verboten, Nester eigenmächtig zu zerstören oder die Tiere zu töten. Verstöße gegen diese Regelung können mit empfindlichen Bußgeldern geahndet werden.
Bei einer echten Gefahrenlage oder einer massiven Belästigung durch ein Nest sind Fachleute die einzige legale Anlaufstelle. Schädlingsbekämpfer, Imker oder zuständige Naturschutzbehörden bewerten die Situation vor Ort und prüfen, ob eine Umsiedlung möglich ist. Der Eierkarton im Garten bleibt somit reine Dekoration ohne jeglichen Nutzen.

