Rente im Paradies: Warum ein Auswanderer vor dem „Postkarten-Irrtum“ warnt

Ein Rentner genießt seinen Ruhestand im Ausland.

Sonne, türkises Wasser und kein Alltagsstress – für viele Rentner ist die Vorstellung vom Auswandern der ultimative Traum. Doch Giulio (70) hat diesen Schritt gewagt und lebt heute auf Fuerteventura. Sein Fazit nach vier Jahren dauerhaftem Aufenthalt ist ernüchternd: Das Leben auf der Insel hat wenig mit den idyllischen Urlaubsfotos zu tun.

So oder so ähnlich könnte ein ausgewanderter Rentner im Ruhestand aussehen.
Ein ausgewanderter Rentner im Ruhestand.

Vom Urlauber zum Residenten

Giulios Geschichte begann vor etwa zehn Jahren. Nach regelmäßigen Aufenthalten auf der spanischen Insel kaufte er ein Haus. Zunächst pendelte er zwischen seiner Heimat Italien und Fuerteventura, während er noch berufstätig war. Vor vier Jahren ging er in Rente und entschied sich für das dauerhafte Leben in Puerto del Rosario.

Die finanzielle Ernüchterung

Der wohl größte Irrtum vieler Auswanderer: Die vermeintlich niedrigeren Lebenshaltungskosten. Giulio stellt klar, dass die Preise in den Supermärkten heute mit denen in Mailand oder Padua vergleichbar sind. Hinzu kommt eine eingeschränkte Produktvielfalt. Auch die Energiekosten sind massiv gestiegen; der Kraftstoffpreis hat sich in seiner Wahrnehmung nahezu verdoppelt.

Wohnungsmarkt und Lebensqualität

Neben den täglichen Ausgaben belasten Giulio die hohen Fixkosten für Immobilien. Mietobjekte sind knapp und kosten oft mindestens 800 Euro im Monat. Wer Wohneigentum erwerben will, muss für ein 100-Quadratmeter-Haus mit rund 250.000 Euro rechnen. Zudem sieht Giulio in Italien deutliche Vorteile bei der medizinischen Infrastruktur und der allgemeinen Sicherheit.

Dennoch bereut er den Umzug nicht. „Hier ist das Leben gut und friedlich, aber man muss auch die negativen Aspekte berücksichtigen“, resümiert er. Für ihn steht fest: Man darf sich nicht nur von der Fassade blenden lassen.

Ein Trend mit zwei Gesichtern

Giulio ist kein Einzelfall. Die Deutsche Rentenversicherung überweist monatlich über 1,7 Millionen Renten ins Ausland. Viele dieser Empfänger kehren nach einem Arbeitsleben in Deutschland in ihre ursprüngliche Heimat zurück. Für sie ist der Schritt oft eine Rückkehr zu den Wurzeln.

Wo lohnt sich das Auswandern noch?

Das Portal „International Living“ hat im „Global Retirement Index“ attraktive Ziele analysiert. Während Griechenland für 2026 den Spitzenplatz belegt, folgen Portugal und Italien. Auch Länder wie Panama, Costa Rica, Mexiko, Frankreich, Spanien, Thailand und Malaysia stehen bei Ruheständlern hoch im Kurs. Sie bieten je nach Fokus – sei es Klima, Gesundheitsversorgung oder Lebenshaltungskosten – unterschiedliche Vorteile für den Lebensabend.

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