Wladimir Putin bei einem öffentlichen Auftritt
Die russische Rüstungsindustrie steht unter massivem Druck. Um den westlichen Sanktionen und ukrainischen Angriffen auf die heimische Produktion zu entgehen, treibt der Kreml eine engere militärische Zusammenarbeit mit zentralasiatischen Staaten voran. Wladimir Putin hat nun die Überarbeitung bestehender Abkommen mit Kasachstan und Usbekistan angeordnet.
Verlagerung der Rüstungslogistik
Moskau reagiert damit auf eine wachsende Verwundbarkeit. Ukrainische Drohnenangriffe, die mittlerweile tief in russisches Staatsgebiet vordringen, gefährden die Versorgungsketten. Zudem schränken westliche Sanktionen den Zugang zu essenziellen technischen Komponenten ein.
Laut dem kasachischen Militäranalysten Yermek Seitbatal versucht Moskau, kritische Produktions- und Wartungskapazitäten aus der unmittelbaren Gefahrenzone der Frontlinie abzuziehen. Die Kooperation mit den Nachbarstaaten soll diesen Prozess absichern.
Der Analyst Derek Bisaccio betont dabei den strategischen Vorteil der Geografie: Ein ukrainischer Angriff auf Anlagen in Kasachstan käme einer massiven internationalen Eskalation gleich. Kiew dürfte ein solches Risiko daher konsequent vermeiden.
Politisches Tauziehen in Astana
Ob der Plan aufgeht, ist jedoch fraglich. Kasachstan verfolgt eine vorsichtige Distanz zum russischen Angriffskrieg. Bereits im Juli sorgte der kasachische Präsident Kassym-Jomart Tokajew für Aufsehen, als er in Anwesenheit Putins ein Ende des Konflikts forderte.
„Es ist eine Schande, dass junge Menschen sterben. Das alles muss aufhören“, erklärte Tokajew. Er schlug zudem eine Rückkehr zur sogenannten „Istanbul-2.0-Formel“ vor, um den Konflikt einzufrieren. Putin reagierte auf diese öffentliche Zurechtweisung ungewohnt zurückhaltend.
Wladimir Putin, aufgenommen bei einem Termin
Zur Person: Wladimir Wladimirowitsch Putin
- Alter: 73 (geb. 7. Oktober 1952 in Leningrad)
- Partei: Einiges Russland
Keine offene Zustimmung
Obwohl Kasachstan wirtschaftlich eng mit Russland verwoben ist, hat das Land den Einmarsch in die Ukraine nie offiziell unterstützt. Tokajew bezeichnete den Krieg wiederholt als schwer verständlich.
Bislang ist unklar, wie weit Kasachstan und Usbekistan bereit sind, ihre Rüstungsabkommen tatsächlich zu erweitern. Offiziell heißt es aus Astana lediglich, dass die russischen Änderungswünsche derzeit geprüft würden. Eine Zusage für eine tiefere militärische Integration steht weiterhin aus.


