Wladimir Putin.
Eskalation nach einer Journalisten-Frage
Ein einziger Satz in Belgrad hat für den FAZ-Korrespondenten Michael Martens schwerwiegende diplomatische Konsequenzen nach sich gezogen. Der Kreml hat den deutschen Journalisten offiziell auf die russische Fahndungsliste gesetzt.
Der Vorfall ereignete sich am 8. August während einer gemeinsamen Pressekonferenz des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und des serbischen Staatschefs Alexander Vucic. Martens stellte eine Frage, die in Moskau umgehend eine offizielle Strafverfolgung auslöste.
Der Stein des Anstoßes
Martens wollte bei der Konferenz wissen, wie Europa die Ukraine unterstützen könne, um „mehr Russen zu töten“. Er ergänzte unmittelbar darauf: „Russische Soldaten natürlich.“ Diese Präzisierung konnte den diplomatischen Eklat jedoch nicht mehr verhindern.
Russland leitete daraufhin ein Strafverfahren wegen „Anstiftung zum Hass“ ein (Artikel 282 des russischen Strafgesetzbuchs). Im Falle einer Verurteilung drohen dem Journalisten theoretisch bis zu sechs Jahre Straflager.
Historischer Kontext vs. diplomatische Krise
Martens selbst weist die Vorwürfe zurück und betonte auf der Plattform X, dass seine Frage eine bewusste historische Anspielung war. Er bezog sich dabei auf ein Zitat des britischen Premierministers Winston Churchill aus dem Zweiten Weltkrieg, der einst untersuchen ließ, wie man jugoslawischen Partisanen helfen könne, „noch mehr Deutsche zu töten“.
Der Verlag seines Arbeitgebers, der FAZ, distanzierte sich dennoch von der Wortwahl. Die Redaktion erklärte, die Frage sei „missverständlich formuliert“ gewesen und man befürworte keinesfalls die Tötung russischer Soldaten.
Rechtliche Konsequenzen in Deutschland
Da Deutschland keine eigenen Staatsbürger ausliefert, bleibt Martens innerhalb der Bundesrepublik sicher. Die Situation verschärft sich jedoch, sobald er sich im Ausland bewegt – insbesondere in Regionen mit engen politischen Bindungen an Russland.
Wladimir Putin.
Der als Balkan-Korrespondent tätige Martens, der in einer Region mit starkem russischen Einfluss arbeitet, steht damit nun unter öffentlicher Beobachtung durch den Kreml. Für ihn bleibt die Lage eine persönliche und berufliche Herausforderung, während sich das diplomatische Echo auf seine Frage weiter verbreitet.


