Das italienische Verkehrsministerium arbeitet an einem Gesetzesentwurf, der die Regeln für ältere Autofahrer grundlegend verändern könnte. Im Zentrum der Diskussion steht eine Verschärfung der Vorschriften für Personen ab 85 Jahren.
Drei zentrale Verbote für Senioren
Wie das Automagazin „Quattroruote“ berichtet, sieht der Entwurf drei wesentliche Einschränkungen für Fahrer ab 85 Jahren vor:
- Autobahnverbot: Die Nutzung von Autobahnen soll für diese Altersgruppe künftig untersagt werden. Ein entsprechender Vermerk würde im Führerschein eingetragen werden.
- Radius-Beschränkung: Autofahrten wären nur noch innerhalb eines Umkreises von 100 Kilometern um den Wohnort erlaubt. Lange Urlaubs- oder Familienreisen wären somit kaum noch möglich.
- Null-Promille-Grenze: Während für die breite Masse in Italien ein Limit von 0,5 Promille gilt, soll für Senioren ab 85 Jahren ein striktes Alkoholverbot am Steuer (0,0 Promille) eingeführt werden.
Führerscheinverlängerung wird strenger
Die Gültigkeit des Führerscheins soll künftig noch stärker an das Alter gekoppelt werden. Während der Führerschein bis zum 50. Lebensjahr zehn Jahre lang gültig bleibt, verkürzt sich dieser Zeitraum danach drastisch:
- Bis 70 Jahre: Verlängerung alle 5 Jahre.
- Bis 80 Jahre: Verlängerung alle 3 Jahre.
- Ab 80 Jahren: Verlängerung alle 2 Jahre (zudem ist ein geriatrisches Gutachten nötig).
- Ab 90 Jahren: Jährliche Verlängerung erforderlich.
Einspruchsmöglichkeiten durch medizinische Kommission
Die geplanten Regelungen sind noch nicht endgültig. Der Entwurf befindet sich in der Konsultationsphase, in der Verbände bis zum 13. September Stellung beziehen können.

Zudem ist eine Ausnahmeregelung vorgesehen: Senioren können ihre Fahrtauglichkeit von einer medizinischen Kommission prüfen lassen. Bei einer positiven Bewertung der geistigen und gesundheitlichen Fitness könnten Einschränkungen wie das Autobahnverbot oder die Radius-Begrenzung aufgehoben werden. Voraussetzung hierfür ist jedoch die Offenlegung der elektronischen Gesundheitsakte.
Hintergrund der Pläne
Mit diesem Vorstoß reagiert Italien auf die steigende Zahl älterer Verkehrsteilnehmer und die damit verbundenen Herausforderungen hinsichtlich der Verkehrssicherheit. Es gilt, das Risiko durch nachlassende Reaktionsfähigkeit und Sehvermögen gegen das Bedürfnis der Senioren nach Mobilität abzuwägen.
Ob und in welcher Form das Gesetz in Kraft tritt, bleibt abzuwarten. Derzeit haben italienische Senioren weiterhin das uneingeschränkte Recht, auch Autobahnen zu befahren.
