Fagersta, eine Kleinstadt in Mittelschweden, steht unter Schock. Nach einer tödlichen Gewalttat am vergangenen Freitag an der Brinellskolan kämpft die Gemeinde mit der Unbegreiflichkeit der Ereignisse. Ein 18-jähriger Angreifer griff Mitschüler gezielt mit einem Schwert an. Für ein 17-jähriges Mädchen kam jede Hilfe zu spät; zwei weitere Schüler wurden schwer verletzt.
Ein Ort im Ausnahmezustand
Die lokale Kirche ist derzeit ein zentraler Anlaufpunkt für die Trauerarbeit. Pastor Lars Frisk beschreibt die Stimmung in der Stadt als erdrückend: „Es ist, als ob etwas sehr Schweres auf dem eigenen Körper lastet. Man kann es kaum in Worte fassen.“ Familien und Mitschüler suchen hier gemeinsam nach Trost.
Nur wenige hundert Meter entfernt markieren Kerzen, Blumen und Plüschtiere vor der nüchternen weißen Fassade der Brinellskolan den Tatort. Ehemalige Mitschüler des Opfers zeigen sich tief erschüttert. „Sie war so nett, hatte immer ein Lächeln auf den Lippen“, berichtet eine junge Frau, die die Getötete kannte. Dass ein ehemaliger Mitschüler eine solche Tat begehen konnte, bleibt für die Hinterbliebenen unbegreiflich.
Informationschaos und Angst
Viele der Schüler erlebten die Stunden des Angriffs in extremer Isolation. Da an schwedischen Schulen Handys während des Unterrichts oft abgegeben werden müssen, konnten die Betroffenen ihre Eltern in den kritischen Momenten nicht kontaktieren.
Eine Schülerin, die sich in einem Nachbargebäude verbarrikadierte, beschreibt die Ungewissheit: „Wir wussten nicht, ob er auch zu uns kommen würde. Es war schrecklich, keinen Kontakt nach außen zu haben.“ Auch Angehörige, wie Mona Eriksson, beklagen die mangelnde Kommunikation. Ihr Enkel entkam der Situation nur knapp – er half einem Verletzten bei der Flucht und kam blutverschmiert aus dem Gebäude.
Hintergründe und polizeiliche Ermittlungen
Während die Polizei die Ermittlungen führt und über 450 Zeugen vernimmt, kursieren in der Stadt zahlreiche Vermutungen über das Motiv des 18-Jährigen. Berichten zufolge hatte der junge Mann eine schwierige Kindheit und war bereits in der Vergangenheit wegen gewalttätigen Verhaltens auffällig geworden.
Andere Schüler berichten von Hinweisen auf Mobbing, die der Täter selbst auf Social-Media-Plattformen wie TikTok geteilt haben soll. Die Ermittler prüfen nun, welche Hintergründe zu der Eskalation führten.
Ein Zeichen der Geschlossenheit
Trotz der aufkommenden Gerüchte versucht Fagersta, zusammenzustehen. Schwedens Regierungschef Ulf Kristersson und Oppositionsführerin Magdalena Andersson reisten persönlich in die Kleinstadt, um ihre Anteilnahme auszudrücken.
„In wirklich wichtigen Fragen steht Schweden zusammen“, betonte Kristersson. Die Brinellskolan bleibt vorerst geschlossen. Pastor Frisk sieht in der kommenden Zeit eine schwere Aufgabe: „Das hier schweißt die Menschen zusammen, um gemeinsam das Böse zu bekämpfen.“ Ein landesweit übertragener Gedenkgottesdienst im alten Ortskern soll in der nächsten Woche einen ersten Schritt zurück in die Normalität markieren.
