Marcos Rodríguez Pantoja: Spaniens „Wolfsjunge“ mit 80 Jahren gestorben

Marcos Rodríguez Pantoja, der als Wolfsjunge bekannt wurde.

Ein Leben zwischen Wildnis und Zivilisation

Marcos Rodríguez Pantoja, international bekannt als Spaniens „Wolfsjunge“, ist tot. Er starb am Samstag, dem 15. August, in seinem Wohnort Rante, einer kleinen Gemeinde in der Provinz Ourense. Er wurde 80 Jahre alt.

Über die genaue Todesursache ist nichts bekannt. Medienberichten zufolge litt Pantoja seit etwa zwei Jahren an einer Erkrankung. Nachbarn unterstützten ihn in seinem Alltag und bei Arztbesuchen. Sein Tod fiel ausgerechnet auf ein Fest zu Ehren des Schutzpatrons von Rante, wo er seit 2001 gelebt hatte.

Vom Waisenkind zum Rudelmitglied

Die Geschichte von Pantoja begann unter tragischen Umständen in der Provinz Córdoba. Nach dem Tod seiner Mutter und einer Kindheit, die laut seinen Aussagen von Misshandlungen durch seine Stiefmutter geprägt war, gab ihn sein Vater mit etwa sechs Jahren an einen Landbesitzer ab. Dieser schickte ihn in die Sierra Morena zu einem alten Ziegenhirten.

Dort erlernte der Junge das Überleben in der Natur: Feuermachen, Nahrungssuche und Orientierung im Gebirge. Doch als der Hirte verstarb, blieb Marcos völlig auf sich allein gestellt. Für die kommenden zwölf Jahre lebte er isoliert in der Wildnis.


Marcos Rodríguez Pantoja während seines Lebens in Spanien.

Später erzählte Pantoja, dass ihn eine Wölfin in ihr Rudel aufgenommen habe. Er habe gemeinsam mit den Tieren gejagt und geschlafen. Diese Zeit bezeichnete er später als die glücklichste seines Lebens: Es habe stets ausreichend Nahrung gegeben, und Konzepte wie Lärm oder Geld, die ihn später in der Gesellschaft belasteten, spielten keine Rolle.

Marcos Rodríguez Pantoja: Spaniens „Wolfsjunge“ mit 80 Jahren gestorben

Die schwierige Rückkehr in die Gesellschaft

Im Jahr 1965 wurde Pantoja von der Guardia Civil entdeckt und in die Zivilisation gezwungen. Der damals 19-Jährige musste sich in einer für ihn fremden Welt zurechtfinden: Er lernte mühsam, aufrecht zu gehen, zu sprechen und menschliche Konventionen wie das Tragen von Kleidung oder den Gebrauch von Besteck zu akzeptieren.

Auch nach seiner Rückkehr erlebte er erneut Misshandlungen und Täuschungen, was dazu führte, dass er häufig mit Wehmut an sein Leben bei den Wölfen zurückdachte. Sein außergewöhnliches Schicksal wurde wissenschaftlich untersucht und diente 2010 als Vorlage für den Film „Entrelobos“.

In seinen späteren Lebensjahren in Rante besuchte Pantoja regelmäßig Schulen und Ferienlager, um über seine Erfahrungen zu berichten. Erst im Alter von 75 Jahren begann er, Lesen und Schreiben zu lernen. Laut Berichten der Zeitung „El Correo Gallego“ soll er den Wunsch geäußert haben, dass seine Asche in Rante beigesetzt wird.

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