Südöstlich von Lüdenscheid, am Nordrand des Ebbegebirges, liegt die Versetalsperre. Das Gebiet besticht heute durch Ruhe, sauberes Wasser und ausgedehnte Waldgebiete. Doch unter der Oberfläche der idyllischen Natur verbirgt der Stausee ein dunkles Kapitel aus der NS-Zeit.
Luftaufnahme der Versetalsperre mit der Klamer Brücke.
Ein Ort mit zwei Gesichtern
Die Versetalsperre ist die größte Talsperre im Märkischen Kreis. Mit einer Wasserfläche von 170 Hektar, einer Länge von 2,5 Kilometern und einer Tiefe von bis zu 52 Metern ist sie ein beeindruckendes Bauwerk. Neben der Stromerzeugung dient sie vor allem der Trinkwassergewinnung und stützt den Pegel der Ruhr.
Besucher schätzen heute vor allem den Rundwanderweg A1, der auf elf Kilometern durch das bewaldete Hügelland führt. Besonders beliebt ist die asphaltierte, etwa 6,6 Kilometer lange Uferstrecke, die auch von Radfahrern und Inline-Skatern genutzt wird. Wer es kürzer mag, findet an der Hohkühler Bucht eine barrierearme Route von zwei Kilometern.
Naturschutz und Einschränkungen
Da der See als Trinkwasserreservoir dient, gelten seit 1987 strenge Regeln: Baden, Segeln, Tauchen und der Betrieb von Personenschiffen sind untersagt. Diese Maßnahmen schützen die Wasserqualität, die durch die umliegenden Wälder und hohen Niederschlagsmengen von rund 1.200 Millimetern pro Jahr begünstigt wird.
Südlich des Stausees schützt das Naturschutzgebiet Versetal zudem eine wertvolle Auenlandschaft. Hier finden sich zwischen Feuchtwiesen und Erlenwäldern seltene Pflanzen wie die Sumpf-Dotterblume und Lebensräume für den Grasfrosch.
Die dunkle Geschichte des Lagers Hunswinkel
Die idyllische Klamer Brücke erinnert heute an das Dorf Klame, das 1951 beim Einstau des Sees in den Fluten versank. Doch der Name der Brücke ist untrennbar mit einem dunklen Ereignis verbunden.
Während der Zeit des Nationalsozialismus befand sich hier das Arbeitserziehungslager Hunswinkel. Rund 5.000 Menschen waren dort inhaftiert; etwa 550 von ihnen starben. Ein Mahnmal am Ufer erinnert heute an die Opfer dieses Lagers und mahnt zum Gedenken an einem Ort, der heute vor allem als Naherholungsgebiet wahrgenommen wird.
Tipps für Ausflügler
Familien können den Naturerlebnispfad nutzen, der das Gebiet spielerisch erfahrbar macht. Wer die Region weiter erkunden möchte, findet nur wenige Kilometer südlich mit der Fürwiggetalsperre ein weiteres, nach dem Intze-Prinzip erbautes technisches Denkmal. Für die Einkehr bietet sich beispielsweise der Ort Nieder-Holte an.

