Rettungseinsatz nach Kinderwagen-Tour: 36 Wanderer droht fünfstellige Rechnung

Ein Rettungshubschrauber bei einem Einsatz im hochalpinen Gelände.

Was als Urlaubsausflug geplant war, endete für drei befreundete Familien in einer gefährlichen Rettungsaktion. Die Gruppe, bestehend aus 36 Personen, war am Sonntag, den 9. August, von der Bergstation der Wildspitzbahn bei Vent im hinteren Ötztal zu einer Wanderung aufgebrochen. Die Teilnehmer stammten aus den USA, Belgien und Großbritannien.

Gefährliche Tour mit Kinderwagen

Das Vorhaben der Gruppe sorgte für Unverständnis bei den lokalen Einsatzkräften: Die Familien hatten Kleinkinder und zwei Säuglinge in Kinderwagen über steile Bergpfade geschoben. Neben den Kleinkindern und Erwachsenen befanden sich auch mehrere Jugendliche in der Gruppe.

Während des Aufstiegs verließen die Wanderer mehrfach die markierten Wege und gerieten in unwegsames Gelände. Auf einer Höhe von rund 2325 Metern eskalierte die Situation, woraufhin zwei Gruppenmitglieder einen Notruf absetzten. Die Polizei beschrieb das Terrain als „ausgesetztes alpines Gelände“ und betonte, dass die Ausrüstung der Gruppe „gleich null“ gewesen sei.

Insgesamt 14 Personen, darunter auch die Kleinkinder, wurden mit zwei Rettungshubschraubern aus der Gefahrenzone ausgeflogen – vier davon mussten per Seil geborgen werden. Die verbleibenden 22 Personen wurden von der Bergrettung Sölden zu Fuß ins Tal begleitet. Verletzt wurde bei dem Vorfall niemand.

Ein Teil der in Not geratenen Bergwanderer musste mit dem Hubschrauber abtransportiert werden.
Ein Teil der in Not geratenen Bergwanderer musste mit dem Hubschrauber abtransportiert werden.

Hohe Kosten für den Einsatz

Die Beteiligten müssen nun mit einer erheblichen finanziellen Belastung rechnen. Der Einsatz der Bergrettung Tirol allein schlägt mit etwa 3.500 Euro zu Buche. Franz-Josef Fiegl, Chef der Bergrettung Sölden, erklärte gegenüber der „Tiroler Tageszeitung“, dass für den dreistündigen Großeinsatz pro Stunde 1.244 Euro berechnet werden.

Rettungseinsatz nach Kinderwagen-Tour: 36 Wanderer droht fünfstellige Rechnung

Zusätzlich kommen die Flugkosten für zwei Hubschrauber hinzu. Laut Roy Knaus, Betreiber des Rettungshubschraubers „Martin 8“, beliefen sich die Kosten für diesen einen Helikopter bereits auf rund 15.000 Euro. Die Gesamtkosten für den Einsatz könnten somit die Marke von 30.000 Euro übersteigen.

Versicherungsschutz als Knackpunkt

Ob und inwieweit die Familien für diese Kosten selbst aufkommen müssen, hängt maßgeblich von einer vorhandenen Bergekostenversicherung ab. Die Bergrettung Tirol weist regelmäßig darauf hin, dass Rettungseinsätze im Gebirge kostenpflichtig sind.

Übliche Versicherungen, wie sie etwa durch eine Fördermitgliedschaft bei österreichischen Bergrettungsorganisationen oder durch eine Mitgliedschaft im Deutschen Alpenverein abgedeckt sind, greifen in der Regel bei solchen Notlagen. Ob eine entsprechende Deckung bei dieser internationalen Reisegruppe besteht, ist derzeit noch unklar.

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