Vom Asphalt auf das Wasser
Sebastian Vettel (39) hat nach seiner erfolgreichen Karriere in der Formel 1 eine neue Herausforderung gefunden: Er ist unter die Teambesitzer gegangen. Sein neues Spielfeld ist die SailGP, eine internationale Segelrennserie, die aufgrund der extremen Geschwindigkeiten ihrer Boote oft als „Formel 1 auf dem Wasser“ bezeichnet wird.
Seit drei Jahren unterstützt der vierfache Formel-1-Weltmeister das deutsche Regattateam als Mitbesitzer und Investor. Neben ihm gehören der Unternehmer Thomas Riedel, der ESL-Gründer Ralf Reichert und Wacken-Initiator Holger Hübner zum Eigentümerkreis des Teams, das seit 2023 in der Rennserie antritt.
Sebastian Vettel bei einem SailGP Event.
Magische Momente vor Rügen
Die SailGP gastiert regelmäßig an weltweiten Standorten wie Sydney, New York oder Rio de Janeiro. Auch die deutsche Küste ist Teil des Kalenders: An diesem Wochenende (22./23. August) findet das Event vor Sassnitz auf Rügen statt.
Schon bei der Premiere im vergangenen Jahr sorgte der Standort für Aufsehen. Vor den Augen von Vettel stellte das dänische Team einen Geschwindigkeitsrekord auf: Die Skandinavier erreichten mit ihrem F50-Katamaran beeindruckende 103,93 km/h. Gleichzeitig feierte das deutsche Team einen persönlichen Meilenstein mit ihrem ersten Sieg in einem Einzelrennen.
„Das war ein Paukenschlag!“, erinnert sich Vettel im Gespräch mit der „WirtschaftsWoche“. Er war kurz vor dem Start selbst an Bord und erlebte den Sieg hautnah. „Das war magisch. Die zwei Tage waren ein bisschen wie im Märchenland.“
Der Einstieg durch Riedel
Wie kommt ein Formel-1-Star zum Segelsport? Vettel gibt zu, dass es anfangs kaum Berührungspunkte gab. „Der treibende Faktor war in erster Linie Thomas Riedel“, erzählt der Ex-Rennfahrer. Die beiden sind seit Jahren befreundet.

Anfangs sei er skeptisch gewesen: „Ich sagte ihm: Du, ich verstehe gar nichts vom Segeln, ich habe mit Segeln auch nichts zu tun.“ Riedel blieb jedoch hartnäckig. Nach einer intensiven Überzeugungsarbeit fand Vettel Gefallen an der Idee. Heute ist er dankbar für den Einstieg, verfolgt jedes Rennen und hält engen Kontakt zur Crew, darunter auch die Strategin Anna Barth.
Wissenstransfer aus der Formel 1
Die Zusammenarbeit ist für das Team ein Gewinn. Barth lobt Vettels analytischen Blick: „Es ist sehr cool, wenn Seb dabei ist. Er hat wirklich einen Blick für die Dinge und ist sehr interessiert, was das Boot angeht. Aus der Formel-1-Welt bringt er noch eine andere Sichtweise mit – besonders was Aerodynamik angeht.“
Für Vettel selbst bietet die SailGP eine andere Dynamik als der Motorsport. „Öfters geht ein Team mit der Erwartung, zu gewinnen, ins Rennen und fährt als Letztes ins Ziel“, erklärt er den Unterschied zur Formel 1. „Das gibt es in der Formel 1 mit ihren längeren Rennen nicht.“
Vettel glaubt fest an das Potenzial der Serie, nicht nur als Sport, sondern auch als Unterhaltungsmedium. Aktuell liegt das deutsche Team auf dem achten Platz von 13 Teilnehmern. Ein Sieg in der laufenden Saison wäre für Vettel die ideale Geschichte, um sie nach dem Event auf Rügen weiterzuerzählen.

